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FührerObergeschoß / Raum 1

Schule-Spielen - Schulanfang - Schulleben

In Süddeutschland wird von einem Brauch berichtet, den man "ABC-Einstreichen" nannte. Wenn ein Säugling zur Milch noch festere Kost bekommen sollte, schrieb die Mutter das ganze Alphabet in winzigen Buchstaben auf ein Stückchen sauberes Papier, zerriß dieses in kleine Schnitzel, kochte sie mit dem ersten Brei und fütterte das Kind damit - in der Hoffnung, das wirke sich fördernd auf dessen Klugheit und späteren Schulerfolg aus.

So wirft die Schule ihr Licht und ihren Schatten auch schon auf die Lenbensphase, die noch zeitlich vor ihr liegt.

Die Einstellung der Kinder im Vorschulalter gegenüber der Schule hat sich im Vergleich zu früher erheblich gewandelt, wie aus zahlreichen biographischen Berichten und den Kindheitserfahrungen der älteren Generation hervorgeht. Mit der Schule begann der Ernst des Lebens, mit ihr wurde dem Übermütigen gedroht. Die größere Kinderzahl in einer Familie ließ schon die Kleinen teilnehmen am Wohl und Wehe, das den größeren Geschwistern in der Schule widerfuhr.

 

Schule-Spielen

Schule-Spielen war vor einigen Jahrzehnten noch ein häufig zu beobachtendes Kinderspiel. Für jüngere Kinder bot es oft den ersten spielerischen Kontakt mit den Ritualen der Schule; schulpflichtigen Kindern half es - nach der psychoanalytischen Spieltheorie - Erlebnisse und Konflikte, die mit der Schule in Zusammenhang standen, spielerisch zu verarbeiten. Dieses Spiel war ein flexibles Gruppenspiel, das drinnen oder draußen, ohne großen Materialaufwand, mit unterschiedlichen Spielpartnern, ja sogar mit Puppen gespielt werden konnte. Von Pädagogen wird es schon um 1800 als ein sinnvolles, zu förderndes Spiel gekennzeichnet. Auch die aufkommende Spielwarenindustrie bezog das Thema "Schule" in ihre Produktion ein; in bürgerlichen Schichten fand sie einen Markt für Schulutensilien in Miniformat oder Serien von Schulmöbeln für die Puppenschule. Auch heute noch wird entsprechendes Spielzeug angeboten, doch in der Fülle der Spiel- und Unterhaltungsmöglichkeiten ist das Schule-Spielen nur noch von marginaler Bedeutung.

"Der kleine Schulmeister" Raumbild nach einem Holzstich von H. Werner, 1870. Die große Zahl von Bildern zum Thema "Schule-Spielen" im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ist ein Hinweis auf die Beliebtheit dieses Spiels.

 

Abbildung 3: Puppenschule, um 1925.

Die Puppen aus Biskuitporzellan deuten darauf hin, daß dieses Spielzeug für ein Kind aus einer wohlhabenden Familie gedacht war. Die kleinen Hefte konnte man im Spielwarenladen kaufen. Die Einrichtung orientiert sich an den realen Gegebenheiten der Zeit.

 

Puppenschule, um 1960. Auch diese Puppenschule zeigt typische Merkmale eines Klassenzimmers der Entstehungszeit. Bei den Schülern handelt es sich um "Biegepüppchen" mit veränderbaren Körperteilen.

 

Playmobilfiguren. Der Figurensatz für eine Puppenschule aus der Gegenwart zeigt, daß es auch heute noch Abnehmer für solche Spiele gibt.

 

Abbildung 4: Kupferstich von einem ABC- und Lesebuch, 1777.

Anschauungsbücher, ABC-Bücher und Rechenbilderbücher waren im 19. Jahrhundert verbreitet in reicheren Familien. Solche Bücher dienten der Vorbereitung auf die Schule und dem Anfangsunterricht durch eine Gouvernante oder einen Hauslehrer. Schulbesuch wurde in Deutschland erst ab 1920 verpflichtend für alle Kinder.

 

Schulanfang

Schon in den mittelalterlichen Schulen war der Eintritt eines Kindes in die Schule ein besonderes Ereignis, nicht selten verbunden mit zeremoniellen Gebräuchen. Auch aus späterer Zeit wissen wir, daß sich Eltern, Paten oder auch die Gemeinde bemühten, dem Übergang des Kindes in einen neuen Lebensabschnitt einen festlichen Akzent zu verleihen. Mit besonderen Backmodeln wurden beispielsweise süße ABC-Täfelchen gebacken, oder die Schulanfänger zogen an der Spitze eines festlichen Zuges von einem Gottesdienst in der Kirche in die Schule ein. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich in Sachsen und Thüringen der Brauch, große spitze Tüten mit Süßigkeiten, Obst und Nüssen zu füllen, um den Schulanfang zu versüßen - ein Brauch, der sich rasch über ganz Deutschland verbreitete. Es ist allerdings zu bedenken, daß ein großer Teil der Kinder aus Armut von solchen Gaben ausgeschlossen blieb.

Die Ausstattung eines Schulanfängers mit Lernmaterial um 1900 war sehr viel bescheidener als heute; eine Schiefertafel, der Griffelkasten und eine Fibel, die zuweilen im Anhang auch die ersten Rechenübungen enthielt, waren die Grundlage.

 

Abbildung 5: Glückwunschkarte.

Glückwunschkarten zum 1. Schultag kamen um 1900 auf und gehörten in einigen Gegenden Deutschlands zu den Aufmerksamkeiten, die Nachbarn und Verwandte einem Schulanfänger zuteil werden ließen.

 

Schulleben

Das Wort "Schulleben" entstand Anfang des 19. Jahrhunderts und bezeichnete ursprünglich die Gesamtheit der Aktivitäten in der Schule. Schon damals forderten Pädagogen ein reiches, ungekünsteltes Schulleben und prangerten an, daß es zwischen Einpauken und Benoten, Zucht und Strafe erstarrt sei. Trotzdem war das Schulleben noch lange bestimmt durch nüchterne, funktionale Schulhäuser, stupide Methoden, strenge Verhaltensregeln und - aus heutiger Sicht - harte Disziplinierungspraktiken. Auflockerungen des Schulalltags waren selten und in der Regel durch traditionelle, kirchliche oder politische Anlässe begründet. Erst durch die Reformpädagogik im 1. Drittel des 20. Jahrhunderts konnte eine Bereicherung des Schullebens in die Praxis eindringen.

Schulschlitten aus Elversberg. Im "Bildungsplan für die achtklassigen Volksschulen des Saargebietes" von 1922 werden "das Schwimmen, Wandern und die winterlichen Leibesübungen" als wichtige Bestandteile des Turnunterrichts herausgestellt. Auch in den Grundschulrichtlinien von 1921 werden Wandern, Baden, Rodeln und Eislauf als Bestandteile der körperlichen Erziehung genannt. Damit war die Anschaffung eines Schulschlittens amtlich abgesegnet.

 

Abbildung 5: Ranzen.

Auf Bildern des 19. Jahrhunderts mit Schülerdarstellungen kann man sehen, daß lange nicht alle Kinder mit Ranzen ausgestattet sind. Viele tragen Schiefertafel und Lesebuch unterm Arm. Als die Zahl der zu transportierenden Objekte größer wurde, benutzten manche Kinder sog. Bücherriemen - einfache Lederriemen oder solche mit einem angehängten Tragegriff. Um die Jahrhundertwende besaß noch nicht jeder Volksschüler einen eigenen Ranzen. Mädchen- und Jungenranzen unterschieden sich durch die Größe der Verschlußlasche und die Riemenführung; außerdem waren Jungenranzen mit ins Leder geprägten Emblemen, häufig einem Pferd, verziert. Auch der Ranzen konnte noch um 1925 zum Statussymbol werden, wie das ausgestellte Exemplar mit seiner aufwendigen Gobelinstickerei zeigt.

 

Belohnung.Schon seit der Antike wird die Belohnung als ein geeignetes Mittel angesehen, Lernlust und gutes Verhalten beim Schüler zu fördern. Als geeignete Belohnungen wurden Spaziergänge, Spiele im Freien und kleine Sachgeschenke vorgeschlagen. "Ein passendes kleines Bild oder ein gutes Buch entsprechen am besten dem Zweck", heißt es in einem Lehrerhandbuch von 1863. Sog. "Fleißbildchen" wurden bis in die fünfziger Jahre in Schulen häufig verwendet. An Gymnasien waren Bücherpreise für die Klassenbesten am Schuljahresende üblich.

 

Abbildung 7: Körperstrafe.

Erst um 1960 wurde die körperliche Züchtigung als erlaubtes Strafmittel in Schulen verboten. Noch im 19. Jahrhundert heißt es: "Am passendsten ist für körperliche Züchtigung die Ruthe." Auch der Stock wird geduldet. In französischen Schulen war die Lederpeitsche in Gebrauch.